Phalli

3 H
Uraufführung: März 2010, Plaisiranstalt / TAG, Wien
(c)Thomas Sessler Verlag, Wien

Phalli von der Palisiranstalt am TAG, Wien, Foto: Sebastian Philipp

Phalli von der Palisiranstalt am TAG, Wien, Foto: Sebastian Philipp

Drei Männer, die einfach nur mit einem Buchstaben benannt sind, sie heißen L, M und S. Sie haben ein einziges Thema, das ist ihre Ausstattung am Unterleib. Sie messen ab, sie wetteifern, sie nehmen sich wirklich kein Blatt vor dem Mund. Wahrscheinlich ist die verbale Deutlichkeit auch eine Waffe, um Angst, Scham und Unsicherheit zu verstecken. Es kann
ihnen gar nicht genug einfallen zu dem Thema, sie decken das ganze Umfeld ab, sie lassen nichts aus.

Das ist manchmal komisch, gar nicht lustig und hat einen logischen Schluß: die Drei werden am Ende von der Bühne gezerrt. Es ist einfach genug.

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Phalli von der Palisiranstalt am TAG, Wien, Foto: Sebastian Philipp

Phalli von der Palisiranstalt am TAG, Wien, Foto: Sebastian Philipp

Auszug

S: Warum gibt es so viele Namen für Etwas, über das sich niemand zu reden traut?
M: Und das sind noch lange nicht alle.
S: Etwas, das zumindest die Hälfte der Menschheit hat.
L: Ohne das es die Menschheit gar nicht gäbe.
M: Auch nicht die andere Hälfte.
S: Und doch…
M: Niemand…
L: Nicht einmal die Männer…
M: Niemand…
L: Nicht einmal die Frauen.
M: Absolut Niemand…
S: Hat jemals ganz offen und ehrlich darüber gesprochen.
L: Und wir meinen jetzt nicht irgendwelches pseudo-medizinisches Geschwafel, wie man es in der Schule im Bio-Unterricht zu hören bekommt.
S: Oder diese möchtegern Sexualreports aus dem Fernsehen.
M: Klar, dort und auch woanders wird ständig über nichts anderes gesprochen. Heutzutage hat ja jeder ständig Schwanz im Mund, auf der Zunge, das Wort, das Wort Schwanz wird ständig in den Mund genommen, aber wer redet denn schon wirklich drüber.
L: Niemand.
M: Niemand sagt die Wahrheit.
L: Niemand sagt, was er hat.
M: Niemand zeigt, was er hat.
L: Also wird es höchste Zeit, dass wir Männer zu dem stehen, was wir haben.
S: Und deshalb reden wir über Schwänze.
L: Unsere und die im Allgemeinen.
S: Einen ganzen Abend lang.
M: So offen und ehrlich, wie noch nie jemand das zuvor getan hat.
L: Weil es keinen Grund gibt, nicht darüber zu reden.
M: Aber Hunderte, es doch zu tun.
S: Genau.
M: Und deshalb sitzen Sie hier.
L: Deshalb haben wir zu unserem kleinen Informationsabend geladen.
S, M und L: PHALLI.
Stille.
S: Also, dann fang ich mal an, oder? – Ja, ich fang an.
S stellt sich in die Mitte, öffnet die Hose und lässt sie auf die Knie rutschen. Er steht in Unterhose da.
S: Ich bin Linksträger, ich habe einen kleinen Schwanz, im hängenden Zustand sagen wir mal fünf Zentimeter, wenn’s hoch kommt. Wenn’s hoch kommt, im erigierten Zustand also, zwölf, das ist nicht viel, aber, wenn ich so richtig geil bin, bring ich es schon auch auf dreizehn, aber es gibt kleinere, das ist ganz klar. Eine Freundin hat mir mal gesagt, sie hatte einen, der hatte einen, der war nur sieben Zentimeter lang. Ich sagte nichts, bis sie meinte: Steif, sieben Zentimeter Maximum. Seither bin ich schon etwas beruhigter.
M: Ich jetzt?

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