Robinson – meine Insel gehört mir

2 H
Uraufführung: Mai 2016, Plaisiranstalt / Dschungel Wien / Odeion Salzburg
(c) Thomas Sessler Verlag, Wien

„Furcht vor Gefahr ist zehntausendmal beängstigender als die Gefahr selbst.“
Daniel Defoe

ROBINSON durch die Plaisiranstalt am Dschungel, Wien, Foto: Barbara Palffy

ROBINSON durch die Plaisiranstalt am Dschungel, Wien, Foto: Barbara Palffy

Robinson lebt auf seiner einsamen Insel. Und ist zufrieden. Er hat, was er braucht, und vielleicht sogar ein bisschen mehr.

Es ist lange her, dass sich die Menschen in Europa so sehr auf ihre einsamen Inseln zurückgezogen haben wie in den letzten Monaten. Wie Robinson haben sie Angst davor, dass jemand kommt und den hart erarbeiteten Reichtum wegnimmt. Oder auch nur ein wenig davon profitiert. Oder andere Gedanken denkt, andere Lebensweisen lebt, anders ist. Robinson hält täglich am Strand Wache. Soll er nicht einfach einen Zaun um seine Insel ziehen, um jede mögliche Gefahr von sich fern zu halten? Und damit jede Möglichkeit, sich mit anderen Menschen auszutauschen, von ihnen und mit ihnen zu lernen und zu wachsen?

Wird Robinson Freitag auf seiner Flucht retten, ihn auf seine Insel lassen und ihm Hilfe und Asyl gewähren?

Oder siegt seine Angst?

„Robinson – Meine Insel gehört mir“, ein Stück über das Bedürfnis, Erreichtes zu bewahren, und die Angst vor dem großen unbekannten Fremden, der einem irgendetwas wegnehmen könnte.

 

Raoul Biltgen hat mit „Robinson – meine Insel gehört mir“ den niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis 2017, der am 19. Februar im Rahmen des Kaas & Kappes-Festivals verliehen wurde, gewinnen.

Aus der Begründung der Jury: “Robinson” ist eine kluge gesellschaftskritische Parabel über Angstdenken in Bezug auf das Fremde. Die betont lockere Sprache erinnert an den Plauderton einer Stand-Up-Comedy und vermeidet alles Moralisierende. Stattdessen wird hier mit Intelligenz und Humor auf sehr unterhaltsame Weise zu einem des brennendsten Problemen unserer Zeit Stellung bezogen.

 

zurück zur Theaterstückeliste

 

Kritik zur Uraufführung durch die Plaisiranstalt am Dschungel Wien

Heinz Wagner, Kurier, 29.05.2016
Meins, aaaalleeeees gehört mir!

„Robinson – Meine Insel gehört mir“: Wenn sich einer allein auf einer Insel nicht über andere freut, sondern Angst davor hat – und Zäune baut.

Eine ganz andere Geschichte von Robinson auf der einsamen Insel. Die, dass er gar nicht gerettet werden will, sondern sich darüber freut, unumschränkter Herrscher und Besitzer des Eilandes zu sein. Doch halt, seine Freude wird getrübt. Stark sogar: Von der Angst, dass da andere kommen und ihm sein Eigentum streitig machen könnten. Also, … aber halt, der Reihe nach. […]

Genial, so auf den Punkt gebracht und trotzdem nie verkopft, „lehrreich“, aber nicht oberlehrerhaft […] Das Ende sei bewusst nicht verraten, ein bisschen Überraschung und Hoffnung soll doch noch bleiben…

 

zurück zur Theaterstückeliste

 

Auszug

(…)

Robinson: Der Einsiedlerkrebs ist ein Krebs, der keinen eigenen Panzer hat, dewegen sucht er sich ein Schneckenhaus, in das er sich verkriecht, damit er nicht gefressen wird, und das schleppt er dann den lieben langen Tag mit sich rum. Bis es ihm zu klein wird, weil der Krebs ja wächst. Dann sucht er sich ein neues Häuschen. Und wenn da ein Häuschen an ihm vorbeikrabbelt, das ihm gefällt, aber es krabbelt, weil da wer anderer drin hockt, ein anderer Krebs, dann wird gekämpft. Auf Leben und Tod. Weil der das Häuschen haben will. Meins.

Nein, meins.

Nein, meins.

Na dann hol’s dir doch, wenn du dich traust.

Das tu ich auch.

Au.

Au.

Au.

So geht das.

Der Stärkere gewinnt.

(…)

 

zurück zur Theaterstückeliste

Nach oben