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ab 12 Jahren
2-3 D/1H
Uraufführung: Jänner 2015, Theater Jugendstil, Wien, Inszenierung: Christian Himmelbauer
(c) Thomas Sessler Verlag

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Uraufführungsinszenierung 2015, Wien, Foto Stefan Schmidt, Lilly Anna Janoska und Sophie Berger

Auf der Flucht vor der Zombie-Invasion verschanzen sich Anna und Kathrin in einer ehemaligen Schule. Während Kathrin im Klassenzimmer ausharrt und vor leeren Bänken alte Bio-Referate übers menschliche Gehirn vorträgt, geht die praktischer veranlagte Anna draußen mit dem Schwert gegen die Zombies vor. Nur ein Stich mitten in die ‚graue Substanz‘, die eigentlich rosa ist, bringt den Zombie zum Erliegen! Doch Anna verteidigt ihr Revier musterhaft.

Ob sie die einzigen überlebenden Menschen sind, oder ob es irgendwo noch mehr gibt, wissen Anna und Kathrin nicht. Aber sie wollen es auch gar nicht herausfinden… Ohne Strom und auf alte Konserven angewiesen, fürchten sie andere Menschen eher, als dass sie sie herbeisehnen. Obwohl es natürlich schon manchmal ziemlich fad wird – dann muss Kathrin zum hundertsten Mal die Geschichte von einem Date erzählen, bei dem sich der von ihr favorisierte Junge plötzlich kurz vorm ersten Kuss in einen Zombie verwandelte…

Als Anna eines Tages von der Jagd zurückkehrt, überfällt sie die blanke Panik: Das Klassenzimmer ist leer! Sie ruft Kathrin mehrere Male, keine Antwort. Sie erwartet das Schlimmste, als Kathrin plötzlich in der Tür steht. Wo sie gewesen sei, herrscht Anna sie an? Ach, nirgendwo, n bisschen in der Schule rumgelaufen, im Turnsaal… Was, im Turnsaal? Davor, auf dem Sportplatz, sind doch mittlerweile an die 20 Zombies! Ob Kathrin weiß, was passiert, wenn die die dünnen Scheiben eindrücken? … Keine Ahnung!! – Kathrin ist wütend. Wie kann Anna erwarten, dass sie ihr ganzes Leben in einem einzigen Raum verbringt, und noch dazu in dem Klassenzimmer, in dem sie schon vor der Katastrophe jahrelang nutzlos rumgesessen ist? Kathrin und Anna machen einen Deal. Kathrin darf sich zwar aus dem Klassenzimmer bewegen, aber nicht weiter, als bis zum Stiegenhaus!

Da steht plötzlich Dominik in der Tür. Ein….. Mensch. Ein.. Mann, ja, ein junger Mann, bärtig, ungewaschen. Kathrin bedroht ihn mit der Pistole, gibt einen Warnschuss ab. Anna kommt reingelaufen. Bis die friedlichen Absichten auf beiden Seiten geklärt sind, braucht es ein Weilchen.

Aber dann kann sich Dominik als ‚in kreativem Denken geschulter‘ Waldorf-Schüler sogar richtig nützlich machen! Er repariert den Generator, es gibt wieder Strom. Er verdunkelt alle Fenster, damit die Zombies nicht angelockt werden. Und: Er schnarcht zwar in der Nacht, aber wenn er morgens in Boxershorts vor Anna und Kathrin steht, ist er eigentlich ziemlich fesch!

Es kommt, wie es kommen muss: Jede der zwei Freundinnen will Dominik für sich haben. Noch dazu bringt dieser ‚eine Dritte‘ ins Spiel: Helene, seine ehemalige Klassenlehrerin, ist zum Zombie geworden. Aber anstatt sie wie die anderen zu beseitigen, ist es Dominik gelungen, sie zu ‚zähmen‘!

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Uraufführungsinszenierung 2015, Wien, Foto: Stefan Schmidt, Sophie Berger und Peter Michael Kellner

Waaaaaas!? Was bitte will man mit nem gezähmten Zombie? Die stinkt doch nur! Dominik muss Anna und Kathrin lange erklären, warum er Helene am Leben gelassen hat: Sie sei eine der wenigen Lehrerinnen gewesen, die sie zu selbständigem Denken angeregt hätte. Die sie zu freien, mutigen jungen Menschen erziehen wollte, die sie respektiert hat. Er wolle ihr diesen Respekt jetzt zurückgeben. Vielleicht sei ja die ZombieEpidemie wirklich sowas wie ne Krankheit, ein Virus? Müsste man dann die Opfer nicht pflegen, anstatt sie umzulegen?

So viele Fragen, auf die Anna, Kathrin und Dominik echt keine Antwort wissen. Warum ist das überhaupt alles passiert? Die ersten Zombies wurden damals in einer Schule gesichtet. Von da aus hat es nach und nach nahezu die gesamte Bevölkerung erwischt. Könnte es nicht sein, dass die geistige Lähmung in den Klassenzimmern einfach auf das zentrale Nervensystem übergegriffen hat? Wer immer schon als Zombie die Schulbank gedrückt hat, hatte der geheimnisvollen Seuche halt auch nichts entgegenzusetzen… Oder ist das einfach alles nur Zufall?

Wie auch immer – Anna, Dominik und Kathrin brauchen ihre grauen Zellen jetzt ziemlich dringend. Der kleinste Fehler, und sie schweben in Lebensgefahr! Da bringt es auch überhaupt nichts, wenn plötzlich ein Zickenkrieg ausbricht, weil die ‚besten Freundinnen‘ mit dem gleichen Mann geknutscht haben…

Raoul Biltgen untersucht in seiner Zombie-Trash-Komödie BRAIN die Fragen, die Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen bewegen: Wie lernt man eigenständiges Denken? Ist ein System wie ‚Schule‘ dazu eigentlich geeignet? Oder muss dieses System aufgebrochen werden, von innen verändert, um mutige, selbständige junge Menschen hervorzubringen?

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