De Wollef kennt heem / Der Wolf kommt nach Haus

4H, 2 D
Uraufführung: Mai 2014, Theater Kaleidoskop, Bettemburg, Luxemburg
UA der deutschen Fassung: frei
(c) Thomas Sessler Verlag Wien

„De Wollef kënnt heem“ – „Der Wolf kommt nach Haus“ – ist Raoul Biltgens erstes Theaterstück auf luxemburgisch, seiner Muttersprache. Diesen Text hat er im Auftrag des Luxemburger Theatervereins Kaleidoskop geschrieben. Die deutsche Fassung ist zur Uraufführung frei.

30 Jahre nachdem Emil Wolff sein Heimatdorf verlassen hat, kommt er zurück. Das kann der doch nicht einfach so tun? Das muss doch was bedeuten? Besonders wenn man bedenkt, unter welch misslichen Umständen er damals gegangen ist. Und auch, weil er, wie man hört, in den letzten 30 Jahren ein kleines Vermögen mit internationalen Bankgeschäften angesammelt hat. Was will Emil? Will er sich rächen? Oder seine alte Liebe zurückgewinnen? Oder ist es tatsächlich so, wie er behauptet, dass er seiner alten Heimat nur das Beste wünscht und deswegen in deren Zukunft investiert? Aber ist ihm zu trauen? Oder hat der Wolf mal wieder Kreide gefressen?

Ein Theaterstück über den großen Traum und das kleinliche Denken, das noch jeden Traum zunichte gemacht hat.

 

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Kritik zur Uraufführung

Meisterstücke auf der Bühne

Im Bettemburger Schloss fand die Premiere von „De Wollef kënnt heem“ statt, dem ersten Theaterstück, das Raoul Biltgen in luxemburgischer Sprache geschrieben hat.

Wenn eine Handvoll Theatergrößen mit einer geübten Regisseurin das erste luxemburgische Stück eines Theaterautors auf die Bühne bringen, dann sind dem Zuschauer zweieinhalb Stunden Theatergenuss gewiss. So gesehen im Bettemburger Schloss bei der Premiere von „De Wollef kënnt heem“, dem ersten Theaterstück, das Raoul Biltgen in luxemburgischer Sprache geschrieben hat.

Nicht nur für die Autorin dieser Zeilen war das dritte Stück, welches das „Kaleidoskop-Theater“ in dieser Saison im Bettemburger Schloss auf die Bühne brachte, Programm. Das Gleiche gilt gewissermaßen auch für Raoul Biltgen, der mit „De Wollef kënnt heem“ sein erstes Theaterstück „op Lëtzebuergesch“ auf die Bühne bringt.

Die Geschichte liegt eigentlich schon einige Jahre zurück, als Jean-Paul Maes, Initiator und langjähriger Betreiber des „Stengeforter Theaterfestival“, auf den in Wien lebenden Raoul Biltgen zukam und ihn anregte, ein Stück für sein Festival zu schreiben.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Den Stoff habe er schon länger mit sich herumgetragen und ihn deshalb relativ schnell aufs Blatt gebracht, sagte Biltgen, der speziell aus Wien angereist war und bei der Premiere entdeckte, was die Truppe um Maes aus seinem Stoff gemacht hat, in dem er ganz bewusst zwischen Wirklichkeit und Wunschvorstellungen hin und her jonglierte. Er war begeistert.

Das gilt auch für die Premiere-Zuschauer, denen echte Unterhaltung in hervorragender Qualität geboten wurde. Die Bühnenpräsenz von vier älteren Semestern der heimischen Schauspielkunst konnte auf den ersten Blick befremdend wirken, Marc Olinger, Philippe Noesen, Jean-Paul Maes und nicht zuletzt Mady Durer wussten umso besser zu überzeugen, als die Rollen ihnen regelrecht auf den Leib geschneidert schienen. Aber auch der jungen Larisa Faber und in einer kleineren Rolle auch Max Gindorff gelang es hervorragend, das „Alter“ zu kontern.

Regisseurin Eva Paulin verstand es hervorragend, das Beste aus dem recht kalten Theatersaal zu machen, indem sie die Schauspieler nicht nur auf der Hauptbühne beließ, sondern durch den Saal, auf zwei Nebenbühnen und auf den Balkon dirigierte.

In einem der kleinen Luxemburger Dörfer

„De Wollef kënnt heem“ spielt in einem der kleinen Luxemburger Dörfer, wie jeder von uns sie kennt. Es hat sich nichts geändert, solange Marieanne (Mady Durer), Honoré (Marc Olinger), Claude (Jean-Paul Maes) und Jeanne (Larisa Faber) sich erinnern können.

Doch dann kommt dieser Fremde und damit hat der ruhige Fluss des Lebens ein Ende. Denn der Unbekannte kommt nicht nur vorbei, sondern bleibt. Er mietet sich bei Marieanne ein. Doch wer ist er? Was will er? Ist er ein Betrüger? Ein Charmeur, der den Frauen schöne Augen macht? Die ländliche Beschaulichkeit hat definitiv ein Ende. Selbst als sich herausstellt, dass der Fremde eigentlich gar nicht fremd ist, sondern der „Wollefs Emile“, der damals, nach dem Tod seiner Eltern, das Dorf verlassen hat.

Vom Fremden zum verlorenen Sohn

Vom verdächtigen Fremden mutiert „den Emile“ allmählich zum verlorenen Sohn. Und mit seiner Absicht, den verfallenen „Timmeschhaff“ zu kaufen und zu restaurieren, erweckt er die Vision des Mannes, der in der Fremde zu Geld kam und einen Teil dieses Reichtums mit den ehemaligen Freunden (?) teilen wird.

Längst vergessene Gefühle erwachen plötzlich in den Herzen der Dorfbewohner, sie schmieden ehrgeizige Pläne, wollen ihren Alltag hinter sich lassen und sind bereit, über sich hinauszuwachsen – bis es anders kommt als man denkt.

Mehr sei hier nicht verraten, die „alten Haudegen des Luxemburger Theaters“ (dixit Raoul Biltgen) machen aus dem Stück, das – trotz eines leichten Ungleichgewichts im Handlungsfluss – bereits für seine deftige luxemburgische Sprache („um Duerf schwätzen se esou“, meint der gebürtige Escher Autor) den Ausflug nach Bettemburg lohnt, einen echten Genuss.

(Claude Wolf/Tageblatt.lu)

 

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