Eine Rolltreppe

2D, 2H
Uraufführung: November 2010, Drama Slam / Kabelwerk, Wien
(c) Thomas Sessler Verlag, Wien

Was wäre, wenn man auf einer Rolltreppe wie in einem Lift stecken bleiben könnte? Ausgehend von der Annahme, dass dies möglich ist, deckt das Stück „Eine Rolltreppe“ die Verhaltensweisen von vier Menschen auf, die auf einer stehengebliebenen Rolltreppe gefangen sind. Das Absurde an dieser Situation parodiert und hinterfragt sämtliche Klischeevorstellungen, die man von Film und Fernsehen her kennt. Es gibt psychologische Zusammenbrüche, große Liebe und abgrundtiefer Hass, dramatische Rettungsaktionen, intellektuelle Erklärungen für den tieferen Sinn in einer solchen Lage, ganz banale aber auch aberwitzige Versuche, aus dieser Notlage auszubrechen. Ein junges Paar und eine Angestellte setzen all ihre Hoffnungen auf den Techniker, der ihnen zu Hilfe kommt. Aber ist dieser überhaupt in der Lage, eine Situation aufzulösen, die es gar nicht geben kann?

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Auszug

Plötzlich bleiben beide Rolltreppen stehen. Alle vier schauen sich um. 2 ist besorgt, B neutral, gehalten. Stille. Alle bleiben stehen, wo sie stehen.
1: Was jetzt?
A: Keine Ahnung. – Wir warten.
Stille.
1: Was jetzt?
A: Keine Ahnung. – Wir warten.
Stille.
1: Worauf?
Stille.
1: Worauf?
A: Bitte?
1: Worauf wir warten.
A: Keine Ahnung. Dass was passiert. Dass es jemandem auffällt, dass die Rolltreppe steht. Und dass dann halt jemand kommt und die Rolltreppe wieder zum Rollen bringt, nicht? Ich mein… Dass jemand kommt und die Rolltreppe zum Rollen bringt. – Was sollten wir sonst tun?
1: Ich weiß es nicht.
A: Ah.
Stille.
1: Wir könnten die Notrufnummer anrufen.
Stille.
1: Wir könnten die Notrufnummer anrufen. Jemandem Bescheid sagen. – Nein?
A: Doch. – Doch. Rufen wir die Notrufnummer an.
1: Ja.
A: Wie lautet die Notrufnummer?
1: Das weiß ich nicht.
1 und A schauen sich nach einer Notrufnummer um. B steht weiterhin unverändert da. 2 ist nervös, ignoriert aber die anderen auf der Rolltreppe.
1: Doch.
A: Und zwar?
1: Da.
1 zeigt nach unten an den Fuß der Treppe, wo eine Notstopptaste mit Instruktionen und einer Telefonnummer ist.
A: Wo da?
1: Na da halt, da unten. Am Ende der Treppe.
A: Ich seh nichts.
1: Dann schau halt hin.
A: Ich seh da keine Notrufnummer.
1: Doch.
A. Nein.
1: Doch.
A. Nein.
1: Doch.
A: Wenn ich dir sage, dass ich da keine Notrufnummer seh, dann seh ich da keine Notrufnummer, meingott, wenn ich keine seh.
1: Da ist aber eine.
A: Ich seh aber keine.
1: Doch.
A laut: Ich seh sie nicht.
1: Bitte schrei jetzt nicht.
A: Wenn du mir nicht glaubst.
1: Du glaubst mir ja nicht.
A: Ich glaube dir, aber ich für meinen Teil seh sie nicht.
1: Aber sie ist da.
A: Wo?
1: Da.
A: Wo da?
1: Beim Notstopphebel.
A: Was für ein Notstopphebel? – Oh. Ja. Ich seh sie.
1: Aber mich anschreien.
A: Ja dann ruf sie an.
1: Ich hab mein Handy nicht dabei.
A: Warum erzählst du mir dann was von einer Notrufnummer, wenn du dein Handy nicht dabei hast?
1: Du wolltest wissen, ob es da eine Notrufnummer gibt und ich hab dir gesagt, es gibt dort eine Notrufnummer. Ich hab nicht gesagt, dass das jetzt die Lösung aller Lösungen ist.
A: Und was hab ich davon, wenn da unten eine Notrufnummer ist, wenn du dein Handy nicht dabei hast?
1: Nimm doch deins.
A: Ich hab mein Handy auch nicht dabei.
1: Das war ja wohl zu erwarten.
A: Wenn du dein Handy nicht dabei hast, dann ist das ganz normal, und wenn ich mein Handy nicht dabei hab, dann war das ja wohl zu erwarten?
1: Jetzt werd nicht polemisch.
A: Ich werd nicht… Polemisch? Was heißt denn hier polemisch? Weißt du überhaupt, was polemisch bedeutet? Ich glaube nicht, dass es jetzt angebracht ist, das Wort polemisch zu benutzen.
1: Wenn unten jemand vorbei geht, dann schreien wir, der soll die Notrufnummer anrufen und Bescheid geben, dass wir hier festsitzen.
A: Falls irgendwann da unten jemand vorbei kommen sollte.
1: Warum sollte da niemand vorbei kommen?
A: Warum sollte da jemand vorbei kommen?
1: Es gibt keinen Grund sich aufzuregen.

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