Job Chop Suey

2D / 1H
Uraufführung: Jänner 2020, Theater Jugendstil, Regie: Ursula Leitner
(c) Thomas Sessler Verlag

Bewerbungen sind wie Glückskekse. Schmecken tun sie nicht und ihre Weisheiten bringen dich auch nicht wirklich weiter.
Aber du willst den Job. Also hältst du dich an den Glückskeksspruch, dass nur wer aufgibt, verliert, und glaubst daran, dass du irgendwann den Keks bekommst, der dir sagt: „Eines Tages zahlt sich deine Beharrlichkeit aus“. Darum machst du den Bewerbungs-Check:
​Bewerbungsfoto gephotoshoppt – CHECK
Lebenslauf tabellarisch aufgelistet – CHECK
Motivationsschreiben ohne Rechtschreibfehler abgetippt – CHECK
Und die Hose ist frisch gewaschen! Und dann sitzt du voll motiviert im Bewerbungsgespräch und weißt genau, den Job kriegst du nie, weil … deine Haare zu blond sind? Dein Name zu normal oder nicht normal genug ist? Oder die Personalchefin sich verlesen hat und eigentlich etwas ganz Anderes sucht? Was jetzt? Nimmst du den nächsten Glückskeksspruch oder beginnst du deine eigene Geschichte zu schreiben?

Ein Theaterstück über erste Erlebnisse im Leben einer Bewerberin und die größte Glückskeksweisheit von allen: Glaub an dich selbst.

 

Auszug

SISA:                  Lehrstellen. Praktikumsplätze. Ferialjobs … Brauch ich das?

                            Brauch ich das, wenn alle anderen sagen, dass ich das brauch?

                            Du musst dich mit deinen Fähigkeiten und Interessen auseinandersetzen, aha?

                            Mein Interesse ist: Kein Stress haben.

                            Meine Fähigkeit ist: Mir keinen Stress machen.

                            Wo kann man das als super Kompetenz angeben?

                            Ich werde Yoga-Meisterin und stehe den ganzen Tag am Kopf rum und atme super tiefenentspannt ein und aus und ein und aus und alle super gestressten Managertypen kommen zu mir und zahlen mir die Mörderkohle, um auch ein wenig gechillter zu werden. Das ist der Plan. Wo kann ich mich bewerben?

                            Ich kann nicht mal diesen Lotussitz, bei dem man sich die Beine verknoten muss.

                            Was mich nervt, das ist, dass es immer so ist: Du ja, du nein, du ja, du nein … Dabei kennen die mich gar nicht, nur meine Zeugnisse und …

MIYAGI:           Da.

SISA:                  Was?

MIYAGI:           Da.

SISA:                  Was ist das?

MIYAGI:           Ein Glückskeks.

SISA:                  Was?

MIYAGI:           Ein Glückskeks.

SISA:                  Das habe ich gehört.

MIYAGI             Warum fragst du dann?

SISA:                  Was soll ich mit einem Glückskeks?

MIYAGI             Aufbrechen, Glücksspruch rausnehmen, lesen.

SISA:                  Glücklich werden.

MIYAGI             Das hängt davon ab.

SISA:                  Wovon?

MIYAGI             Von dir.

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