Lovemark Heidi

nach einem Konzept von Hille Beseler
2 D
Uraufführung: Februar 2009, TAG, Wien
auch in serbischer Übersetzung von Aneta Lazic
(c) Thomas Sessler Verlag Wien

Lovemark Heidi am TAG, Wien, Foto: boerdi

Lovemark Heidi am TAG, Wien, Foto: boerdi

Was ich mache, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen?
Ich mache nichts. Ich bin Heidi.

Heidi. Saftig grüne Wiesen, idyllische Berge im Abendrot, der griesgrämige, aber herzensgute Alm-Öhi, Schwänli und Schnucki, der Ziegenpeter und die arme Klara im Rollstuhl…

Heidi, Heidi, deine Welt sind die Ber-her-ge…

Ihr Name löst eine ganze Fülle an Bildern und Melodien aus, in deren Mitte dieses naiv-nette Mädchen steht, mit dem Generationen gelacht und geweint haben. Doch was ist aus ihr geworden? Wie ist es ihr ergangen in all den Jahren? Wovon lebt sie? Wer ist Heidi heute?

Wussten Sie, dass Schnucki tot ist? Klar, so alt wird keine Ziege.

Heute ist Heidi eine erwachsene Frau und wohnt in der Stadt, weit weg vom Dörfli, das einst ihre Welt war. Sie lebt zurückgezogen und tritt schon lange nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. Unter einem Vorwand wird sie von einer Talkmasterin zu einem Interview vor Publikum geladen. Nach anfänglichem Zögern erzählt sie von sich: Heidi ist Heidi, das ist ihr Beruf. Die Menschen kommen zu ihr, weil sie Heidi sehen wollen. Ihre Wohnung mit ausgelegtem Teppich aus
Gras und Hasenstroh ist ein Wallfahrtsort für Sinnsuchende, denen sie, die immer noch nach Ziege riecht, Hilfe mit Rat und Körper bietet. Bei Bocksprung und Gemsentanz.

Ihre Kinder haben einen Schulranzen mit einer Heidi drauf. Oder ein Malset. Oder Socken oder Luftballons und Trinkflaschen und Farbstifte und Käsebällchen und Namenssticker und Duftpuppen. Sie gehen in einen Spielzeugladen und kaufen mich, um mich zu verschenken. Sie nehmen mich mit nach Hause, in einer Plastiktüte. Sie tragen mich auf Ihrem Körper, auf einem Shirt oder Slip, Sie lassen sich mich von sich streifen von einem Mann, der Schnucki zu Ihnen sagt.

Im Laufe des Abends erkennt Heidi, dass sie nichts anderes ist als die Lovemark Heidi, an der alle – außer sie selbst – verdienen. Und klar wird auch, dass es Klara Sesemann ist, die Heidi zu diesem Interview gelockt hat. Zwanzig Jahre haben sie einander nicht gesehen. Auch Klara ist gefangen in diesem Mythos rund um Heidi und konnte sich nie davon emanzipieren. Beide flüchten sich in die Vorstellung, dass sie an der Stelle der anderen mehr aus ihrem Leben gemacht hätten. Doch wieder definiert sich Klara nur über Heidi. Die Begegnung mit dem GeißenPeter, der Heidi als vielfacher Familienvater via Bildschirm aus dem Touristen-Dörfli grüßt, wird zum Wendepunkt.

Das war so schön. Wir sind über die Wiesen gelaufen und ich habe ihr meine Welt gezeigt, meine Berge, mein Abendrot. Wir hatten viel Spaß, Peter, Klara und ich.

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