R.I.P.

6D, 2H, (Chor, Polizisten)
Uraufführung: Juni 2003, Das Projekt, Albert-Sever-Saal, Wien
(c) Thomas Sessler Verlag, Wien

R.I.P. von dasprojekt, Wien

R.I.P. von dasprojekt, Wien

Auf einem einsamen Friedhof halb überwachsene Grabsteine, zentral eine Engelsstatue. Sie hat das erste Wort, sie leitet ein, sie hat den lockeren Ton. Sie redet über Geister, Gespenster und tote Grabschänder, Vampire.

Polizei auf dem Friedhof, man sucht nach Ausbrechern, langsam füllt sich der Ort mit Johann, Tatjana, Lisa, Nora, Marie, Georg und Catherine. Sie suchen diesen Ort des Todes auf, weil sie vor dem Leben davonlaufen, weil sie sich schuldig fühlen, weil sie Verbrechen begangen haben, weil sie dem Leben nicht gewachsen sind. Lisa hat Brand gelegt oder erlebt? Nora hat ihr Kind ermordet oder glaubt sie das nur? Johann, der Gefängniswärter, hilft seiner angebeteten Tatjana. Tatjana rächt sie alle…

Sie alle aber fühlen, dass sie den Frieden der Toten stören. Ein Menschenopfer muss es geben, es ist Johann. Am Ende steht so etwas wie Hoffnung, Lisa, Nora und Tatjana können den Ort verlassen und damit ist auch die Statue befreit. Sie dreht sich noch einmal um, alles Neue ist besser als der alte Mief hier …

In diese makabre Geschichte sind neun Songs eingefügt, komponiert und getextet vom Stückautor, Stefan Tikatsch und Nicole C. Weber.

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R.I.P. von dasprojekt, Wien

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Auzug


NORA: Ich hab auch ein Geheimnis.
Lisa legt den Schädel weg.
LISA: Willst du mir dein Geheimnis erzählen?
NORA: Ich hab früher immer Raten gespielt.
LISA: Das ist dein Geheimnis?
NORA: Nein. – Ich weiß, ich weiß, was du nicht weißt.
LISA: Ach so, ich soll es raten.
Nora nimmt eine Kerze und stellt sie zwischen sich und Lisa.
LISA: Gib das weg.
Nora schaut Lisa an, stellt dann die Kerze auf die andere Seite.
LISA: Danke.
NORA: Ich weiß, ich weiß, was du nicht weißt.

R.I.P. von dasprojekt, Wien

R.I.P. von dasprojekt, Wien

LISA: Du hast zwei verschiedene Socken an.
Nora zeigt Lisa ihre gleichen Socken.
NORA: Jetzt du.
LISA: Ich weiß, ich weiß, was du nicht weißt.
NORA: Tut’s weh?
LISA: Was?
NORA: Dein Geheimnis. –
LISA: Ich weiß nicht, ob mein Geheimnis weh tut.
NORA: Du musst antworten, sonst geht das Spiel nicht weiter.
LISA: Ja, ok, es… ja.
NORA: Ich weiß, ich weiß, was du nicht weißt.
LISA: Willst du’s erzählen?
NORA: Nein. – Ja. – Nein.
LISA: Was denn nun, ja oder nein?
NORA: Ich darf nicht.
LISA: Warum darfst du’s nicht erzählen?
NORA: Du bist dran.
LISA: Hat dein Mann gesagt, du darfst es nicht erzählen?
NORA: Du bist dran.
LISA: Sag schon.
NORA: Du bist dumm. Du bist ein dummes Kind. Du bist ein dummes Kind. Du bist ein…
LISA: Ich weiß, ich weiß, was du nicht weißt.
NORA: Hast du Angst vor Feuer?

R.I.P. von dasprojekt, Wien

R.I.P. von dasprojekt, Wien

Im Hintergrund taucht Marie auf.
LISA: Das ist ein blöde Frage
NORA: Du musst antworten.
LISA: Ich will aber nicht antworten, frag was anderes.
Marie verschwindet wieder.
NORA: Hast du zwei verschiedene Socken an?
Lisa zeigt Nora ihre Socken.
NORA: Ich weiß, ich weiß, was du nicht weißt.
LISA: Warum darfst du’s nicht erzählen?
NORA: Nein, du bist dumm, es muss eine Frage sein, auf die man mit Ja oder Nein antworten kann.
LISA: Du hast dein Kind wirklich umgebracht.
Nora springt auf, versetzt Lisa einen Stoß und setzt sich etwas weiter weg wieder hin. Lisa geht ihr nach.
LISA: Es war doch nur ein Spiel. He, ich hab’s nicht so gemeint.
Stille.
LISA: Soll ich dir mein Geheimnis verraten? Willst du mein Geheimnis hören?
Stille. Nora nickt.
LISA: Ich… Ich habe meine Familie verloren.
Ganz leise Einspielung von Zirkusmusik.
LISA: Ich hatte eine riesige Familie.
Das Licht verändert sich ein wenig.
LISA: Urviele Leute. Und wir hatten einen Zirkus.
Nora schaut Lisa an. Das Licht wird etwas bunter.
LISA: Und wir hatten Tiere und es gab Artisten und Zauberer und ich war Akrobat und Clown und mein Vater war der Direktor…

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